
(Mag. Muhammad Waldmann)
Noch vor wenigen Monaten hätte man Leute, die auf eine kommende Wirtschaftskrise hingewiesen hätten, als „Erzeuger von Krisenstimmung“ bezeichnet. In den letzten Monaten aber hat sich herausgestellt, was viele tiefsinnige Beobachter schon vorausgesagt haben, nämlich die weltumfassende Finanz- und Wirtschaftskrise. Dabei scheint die kommende Krise nicht nur ein Vorbote für schwerere Zeiten zu sein, sondern auch darauf hinzuweisen, dass es sich um eine Krise des Systems handelt. Im Zusammenhang damit, wie man die Krise bewältigen kann, stellt sich also auch die Frage danach, was die Alternative zum herrschenden System sein kann.
Hier zeigt sich, dass sogar die besten Wirtschaftsspezialisten keinen Konsens gefunden haben, wie und wodurch das herrschende Wirtschaftssystem ersetzt werden kann. So ist in den Medien zu ersehen, dass sich vor dem Konjunkturgipfel die Parteien, Wirtschaftswissenschaftler und Industrieverbände darüber gestritten haben, was der richtige Weg aus der Krise ist. Dabei liegt es an den Politikern, welchen Rat sie befolgen und welche Entscheidungen sie letztendlich treffen.
All diese Aussagen lassen erkennen, dass Politik und Wirtschaft eng mit einander verbunden sind und ein einheitliches System bilden. Wenn also das Wirtschaftssystem eine Krise bewirkt, dann weil es die Politik ist, die die wirtschaftspolitischen Entscheidungen trifft.
Was aber kann nun die Alternative zu der drohenden Krise sein? In diesem Zusammenhang gibt es verschiedene Aussagen, die darauf schließen lassen, dass es eine Alternative zum herrschenden System gibt. So sprechen bestimmte Kreise davon, dass es sehr wohl eine Alternative zum herrschenden System gibt. Sie nennen das islamische Wirtschaftssystem als die einzige Alternative zum herrschenden System.[1]
Es besteht also schon eine Alternative zum herrschenden System, die nicht erste geschaffen werden muss. Diese Alternative lautet islamisches Wirtschaftssystem. Aus diesem Grund ist es also angebracht, sich angesichts der drohenden Krise auch mit der islamischen Wirtschaft auseinanderzusetzen. So möchte ich als muslimischer Geistlicher, der ich auch ohne drohende Krise von der Richtigkeit und der Tauglichkeit des islamischen Wirtschaftssystems überzeugt bin, kurz auf das genannte System eingehen.
Das islamische Wirtschaftssystem zeichnet sich dadurch aus, dass es das Privateigentum als auch das Gemeineigentum akzeptiert und gleichzeitig aber auch die islamische Ummah (Gemeinschaft, Gesellschaft) verpflichtet, dem Einzelnen die Existenzgrundlage zu gewährleisten. Dabei ist einer der Grundsätze dieses Systems, dass es die Zinswirtschaft strikt ablehnt. Es ist also im Islam nicht erlaubt, dass allein Geld ohne die Leistung einer wirtschaftlich angemessen Arbeit Gewinn bringt. Wenn man Gewinn erzielen möchte, dann ist es aus der Sicht des Islams notwendig, dass eine angemessene wirtschaftliche Arbeit geleistet wird, durch die es zu einem Gewinn kommt.
Das rührt daher, dass nach islamischer Lehre die Welt und das Weltliche für den Menschen geschaffen wurden. Geld, Rohstoffe, Land und Bodenschätze stehen also im Dienste des Menschen und nicht umgekehrt.
Darüber hinaus gibt es auch deutliche Anweisungen dahingehend, wie jemand in den Besitz von Rohstoffen kommen kann. Auch hier ist es notwendig, dass eine wirtschaftliche Arbeit erfolgt. Z. B. ist bei freiem, d. h. besitzlosem unfruchtbaren Land das fruchtbar Machen der Anlass zum Recht auf Besitz. Es genügt als nicht einfach, ein freies Gebiet einzuzäunen, um darauf Besitzanspruch erheben kann. Bei freiem fruchtbaren Land ist es die Bewirtschaftung des Landes, welche dazu führt, dass man einen Besitzanspruch stellen kann. Der Besitzanspruch gilt jedoch nur solange, solange auch die Ursache für den Besitz, also das fruchtbar Machen und die Bewirtschaftung des Landes, vorhanden ist. Sobald man das Land also brach liegen lässt, verfällt auch der Besitzanspruch.
Doch der Islam ist nicht gegen die Investition von Kapital oder die Vergabe von Krediten. Wenn aber ein Kredit vergeben wird, bei dem man z. B. Geld verleiht und es nach einer bestimmten Frist wieder zurückbekommt, dann darf man dafür keine Zinsen verlangen.
Diese Tatsache scheint nach westlichem Standard so zu klingen, als ob der Islam den Menschen dazu verleite, sein Geld zu horten bzw. nicht zu investieren. Doch um zu verdeutlichen, dass dem nicht der Fall ist, möchte ich kurz auf die vom Islam erlaubten Arten von Investitionen eingehen.
Der Islam bietet auf verschiedene Art und Weise einen Ansporn zur Investition. So ist es z. B. möglich, sein Geld in Handel zu investieren, indem man einen gewissen Betrag einem Händler gibt, damit dieser damit Handel treibt. Dabei kann man vereinbaren, dass man am Gewinn des Händlers in einem gewissen Prozentsatz beteiligt ist. Es natürlich klar, dass man dabei als Investor auch ein Risiko mittragen muss, denn es kann sein, dass der Händler keinen oder nur wenig Gewinn erzielt.
Investitionen sind auch in der Form möglich, dass man jemanden beim Kauf von Immobilien unterstützt, indem man mit ihm gemeinsam das gewünschte Objekt kauft und ihm nach dem Kauf den erkauften Anteil in Langzeitraten verkauft.
Es gibt natürlich noch andere Arten der Investition, auf die ich hier aber nicht näher eingehen möchte. Es soll aber deutlich werden, dass es im islamischen Wirtschaftssystem sehr wohl einen Ansporn gibt, sein Geld nicht zu horten, sondern zu investieren.
Ein weiterer Ansporn zur Investition des Vermögens besteht darin, dass man unter bestimmten Umständen in gewissen Zeitabständen religiöse Abgaben entrichten muss, so z. B. wenn man über die Lebenshaltungskosten eines Jahres hinaus sich Geld angespart hat. Dann muss man davon ein Fünftel als religiöse Abgabe (Chums) entrichten. Diese Abgabe lastet unter bestimmten Umständen auch auf den folgenden Gütern.
1. Ertrag aus Handel
2. Bodenschätze
3. Edelsteine (Perlen), die durch Tauchen aus dem Wasser gewonnen werden
Darüber hinaus gibt es noch eine andere religiöse Abgabe, Zakat genannt. Diese lastet auf verschieden Güter unter anderem auf bestimmten landwirtschaftlichen Gütern sowie auf Gold- und Silbermünzen. Dabei muss man, wenn die Güter eine bestimmte Menge erreicht haben eine genau definierte Menge (bei Gold- und Silbermünzen sind es 2,5% pro Jahr) entrichten.
Diese Abgaben, werden für die Regierung für bestimmte Arme und für das Allgemeinwohl verwendet.
Hier stellt sich nun die Frage, wie diese Abgaben ein Ansporn zur Investition sind? Die Antwort darauf lautet, dass diese Abgaben den Menschen dazu anspornen, sein Geld in Umlauf zu bringen, denn ansonsten muss er in Kauf nehmen, dass er Abgaben entrichten muss.
Nachdem einige Punkte über das islamische Wirtschaftssystem genannt wurden ist es angebracht, über die Voraussetzungen für die Wirksamkeit des islamischen Wirtschaftssystems zu sprechen. So könnte man vielleicht annehmen, dass es einfach möglich ist, das bestehende kapitalistische Wirtschaftssystems abzuschaffen und an dessen Stelle das islamische Wirtschaftssystem zu übernehmen.
In diesem Abschnitt möchte ich darauf hinweisen, dass diese Annahme nicht richtig ist. Das kann man daraus erkennen, dass im islamischen Wirtschaftssystem der Zins verboten ist. Damit es aber keinen Zins gibt, ist es notwendig, dass die Menschen selbst darauf verzichten. Es kann also vorkommen, dass man damit konfrontiert wird, einen großen, kurzfristigen Gewinn durch Zins zu erlangen oder im Interesse des Gemeinwohls darauf zu verzichten. Dabei handelt es sich um eine moralische Entscheidung. Es wird sicherlich niemals der Fall sein, dass man ein System vollkommen überwachen kann. Aus diesem Grund ist es notwendig, dass man moralische Werte verinnerlicht und praktiziert. Dabei spielt es keine Rolle, ob man sich in einem islamischen oder in einem nichtislamischen Land befindet. In beiden Ländern müssen die moralischen Werte Anwendung finden. Der Verstoß dagegen ist auch der Grund, warum es in verschiedenen muslimischen Ländern keine richtige Anwendung des islamischen Wirtschaftssystems gibt.
Noch deutlicher zeigt sich das Ganze, wenn wir uns vor Augen halten, dass im islamischen Wirtschaftssystem Reichtum zu sozialem Handeln verpflichtet. Hier sehen wir aber, dass es viele muslimische Länder gibt, in denen es einerseits viele Reiche ja sogar Superreiche gibt während zur gleichen Zeit große Teile der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben. Auch hier kann man davon ausgehen, dass nicht die notwendige moralische Substanz vorhanden ist, die gewährleistet, dass das islamische Wirtschaftssystem voll umgesetzt werden kann. Das Entrichten der vorgeschriebenen Abgaben, die Vermeidung von verbotenen Geschäften und vieles mehr sind Angelegenheiten, die sicherlich nicht durch staatliche Kontrolle allein gewährleitstet werden können.
Aus diesem Grund kann sind die moralischen Grundlagen, Werte und deren Respektierung bzw. Einhaltung die Grundvoraussetzung dafür, dass das islamische Wirtschaftssystem wirksam werden kann. Moralische Grundlagen und Werte sind aber meist an Religionen gebunden oder sie gehen von ihnen aus. Aus diesem Grund kann man sicherlich auch feststellen, dass man zur Bewältigung der Krise auch auf die Religion angewiesen ist.
Als Ergebnis kann man festhalten, dass es für das herrschende System eine Alternative gibt, nämlich das islamische Wirtschaftssystem. Dieses System kann, wenn die notwendigen Voraussetzungen vorhanden sind, das bestehende System ersetzen. Notwendige Voraussetzungen für das islamische Wirtschaftssystem sind allerdings die Achtung moralischer Grundwerte und deren Einhaltung.
Zusammenfassung der Rede von Hr. Berger
im IBIKUZ anlässlich der interkulturellen Veranstaltung
„ Finanzkrise,
Wirtschaftskrise, Systemkrise.. und (k)ein Ausweg“
am 23.1. 2009
Eingangs
bedankte sich Hr. Fery Berger für die Einladung, die er mit Freude
angenommen hat, da er auch großes Interesse am interreligiösen Dialog hat.
Zu seiner
Person sagte er, dass er christlicher Theologe ist. Er hat in Graz studiert
und einige Zeit in Indien gelebt. Er ist verheiratet und hat 3 Kinder. Er
ist der Initiator der Solidarregion Weiz.
Er sprach
zunächst über seine Sicht der Krise und im zweiten Teil des Vortrags über
das Projekt in Weiz.
Er sagte,
dass er sich seit einiger Zeit mit ökonomischen, politischen und sozialen
Fragen beschäftigt. Bei der jetzigen Krise stehen wir erst am Beginn. Das
Ausmaß ist nicht abschätzbar, aber es kommen bestimmt noch schwerwiegende
Auswirkungen auf uns zu. Jetzt ist der Anfang, aber täglich kommen neue
Meldungen und die Krise schreitet vehement voran. Er betonte, dass er kein
Unheilsprophet sein wolle, aber die Fakten sprechen für sich.
Die globale
Krise hat viele Gesichter. Es ist eine soziale, wirtschaftliche und ethische
Krise. Wir stehen vor der Frage „Sein oder Nichtsein“. Er wies auf das Buch
des Soziologen Dr. Jenner „Pyramidenspiel“ hin.
Das Kapital,
das sich in der „Blase“ befindet bzw. nicht befindet bewegt sich in der
Größenordnung der erwirtschafteten Bruttoeinnahmen aller Staaten der Welt in
10 Jahren!
In Österreich
allein sind 13 Milliarden Euro in Aktien verspekuliert worden. Es besteht
die Befürchtung, dass die Krise ein Fass ohne Boden ist. Es könnte zu einer
Deflation und zum Verlust der Spareinlagen kommen. Auch der neue
amerikanische Präsident Barack Obama hat in seiner Antrittsrede auf die
drastischen Auswirkungen der Krise hingewiesen.
Die globale
Schere kann man mit Fakten so ausdrücken: Vier Milliardäre besitzen soviel
Geld wie eine Milliarde Menschen in der Welt. 20 Prozent der Bevölkerung
besitzt 80 Prozent des Vermögens der Welt. Nur 500 Millionen Menschen in der
Welt geht es so gut wie den Österreichern. Täglich verhungern 30.000
Menschen in der Welt, davon 24.000 Kinder.
Bezüglich
Klimawandel könnte man die Milleniumsziele sofort erreichen wenn man nur 7
Prozent der Rüstungsausgaben einsparen würde. Die jetzige Krise ist eine
starke ethische Krise und eine Krise des Weltbildes. 30 Prozent der Europäer
sind laut Experten psychisch krank. Allein in Österreich gibt es dreimal so
viele Suizidopfer wie Verkehrstote jährlich. Der Freiheitsbegriff bringt
gewaltige Probleme mit sich. Dazu ein Zitat von Peter Handke:
„Der
Überfluss, in dem wir doch leben, bringt überhaupt keine Phantasie mehr
zustande. Nicht nur, dass er keine Phantasie zustande bringt, er erzeugt
überhaupt keine Vorstellung von Verbundenheit mehr oder von Aufbruch.“
Damit ist
Solidarität gemeint, Gemeinschaftssinn, Einsatz für eine gerechtere Welt.
Trotz der
schlimmen Fakten ist Hr. Berger hoffnungsvoll, dass es Auswege und Lösungen
gibt. Die Lösungen können wir uns nicht von denen erwarten, die die Krise
verursacht haben und nicht von den wirtschaftlich politischen Eliten. Die
Deutsche Bank hat beispielsweise 4 Milliarden Euro Verluste gemacht, aber wo
sind die Verursacher? Wer ist schuldig? Die Spekulationen und Gewinne wurden
großteils legal getätigt ohne jegliche moralischen Vorstellungen. Heute
sehen wir zwei Leichen: zum einen den Kommunismus, der in den
Achtzigerjahren zusammenbrach und jetzt ist der Kapitalismus daran, der
versagt hat.
Bezüglich des
Zinsverbotes, das der Vorredner erwähnt hatte, erklärte Hr. Berger, dass die
Katholische Kirche das Zinsverbot 1822 offiziell abgeschafft hat.
Zum positiven
Aspekt und den Chancen der Krise betonte Hr. Berger die Solidarität, die von
unten, von der Basis kommen muss und intensiv betrieben werden muss. Diese
Solidarität ist über alle Religionen hinweg notwendig; Glaube gegen
Unglauben. Den Menschen muss die Furcht genommen und wieder Hoffnung gegeben
werden. Dies wurde auch im amerikanischen Wahlkampf deutlich, wo Obama als
Verkünder der Hoffnung und Veränderung große Sympathien entgegengebracht
wurden.
Ebenso ist
die Bündelung der Spiritualität notwendig und eine große Chance für die
Menschen. Die Solidarregion Weiz wurde vor 4 Jahren gegründet. Die Probleme
der Globalisierung wurden aufgegriffen und es entstand eine überparteiliche
und überkonfessionelle Bürgerbewegung. Derzeit gibt es 18 neue Projekte:
Wirtschaftsprojekte, Banken, die sozial Schwache unterstützen, regionale
Geldkreisläufe werden etabliert u.v.m. Die Landwirtschaft ist sehr abhängig
von Importen, dagegen soll es auch Projekte geben. Das Motto lautet
Zusammenhalten und Solidarität mit der Welt. Demnach gibt es auch Projekte
in der 3. Welt wie z.B. in Ruganda und Brasilien. Ab Oktober ist ein
österreichweites Projekt „Weg der Hoffnung“ geplant. In ganz Österreich soll
das spirituelle Potential überkonfessionell durch ein interreligiöses Team
gebündelt werden.
Zur
persönlichen Einschätzung der Krise meinte Hr. Berger, dass wir jetzt an
einer Weggabelung stehen. Einerseits die große Katastrophe, andererseits die
große Chance. Jede Krise hat eine gewaltige Chance im Sinne von Veränderung.
Dafür ist die Formation der positiven Kräfte notwendig.
Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Systemkrise… und (k)ein Ausweg?
Kurzbericht über die Veranstaltung vom 23. 1. 09
Das unter diesem Titel veranstaltete interreligiöse Rundgespräch, für das
drei Referenten vorgesehen waren, fand wie angekündigt am 23. 1. 09 statt,
wobei allerdings der freie Publizist Christian Felber aus ‚persönlichen
Gründen’ kurz vorher absagte. Die vor allem von Nichtmuslimen gut besuchte
Veranstaltung war trotzdem ein voller Erfolg, der nicht nur auf die
anregenden Ausführungen der Referenten zurückging, sondern auch der
engagierten Diskussion des Publikums zu verdanken war.
Der erste Podiumsredner Mag.
Der zweite Referent Mag. Fery Berger, katholischer Theologe und Mitbegründer
der ‚Solidarregion Weiz’, bedankte sich zunächst für die Einladung zu diesem
Gespräch, betonte, dass er sich nur wegen der Themenstellung (…
‚Systemkrise’) nach Wien gereist sei und schilderte zunächst auf Basis von
verschiedenen Meldungen in den Medien eindringlich die Schwere und die
düsteren Folgen der jetzigen Krise, ohne sich als Unheilsprophet profilieren
zu wollen. Er bedauerte u. a. die teilweise beobachtbare
Verantwortungslosigkeit der Verursacher der jetzigen Lage, verlangte neben
einem Umdenken auch eine neue Spiritualität und eine Änderung in den
Werthaltungen als Ausweg aus der Krise und berichtete schließlich von den
praktischen Erfahrungen bei steirischen Initiative ‚Solidarregion Weiz’, die
auf großes Interesse bei den Zuhörern stießen (s. Genaueres in der
anschließenden Zusammenfassung seines Referats). Auch er betonte seine
Überzeugung von der Notwendigkeit eines interkulturellen Dialogs und einer
weltweiten Perspektive bei der Lösung der Probleme, auch in Richtung 3.
Welt.
Die anschließende Diskussion kreiste um die Ursachen der Krise und deren
Auswirkungen bis hin zum Krieg, wobei auch Bezug genommen wurde auf den
Gaza-Krieg und auf die Gefahr von weiteren Kriegen hingewiesen wurde. Die
Wortmeldungen waren insgesamt geprägt vom Bemühen, auch eine interreligiöse
Perspektive für die Überwindung der mehrdimensionalen Krise herauszuarbeiten.
Es wurde die Rückkehr zu den gemeinsamen Prinzipien und ursprünglichen
Geboten der Religionen gefordert, aber auch das Engagement der
nichtreligiösen kritischen und nach Alternativen suchenden Gruppen und
Personen gewürdigt. Es wurde auch festgestellt, dass das interreligiöse
Gespräch auch in eine praktische Kooperation gerade in diesem Bereich
münden müsse, wenn es glaubwürdig bleiben soll. Die Unterschiede zwischen
den Religionen könnten am ehesten durch eine gemeinsame Spiritualität
überschritten und durch gemeinsames Handeln in einzelnen Punkten die
Gemeinsamkeit über das Trennende gestellt werden. Der Evolution, so wurde
hervorgehoben, sei gegenüber der Revolution der Vorzug zu geben, auch wenn
das Umdenken durchaus revolutionär bzw. radikal, im Wortsinn (an die Wurzel
gehend) sein dürfe, auch zu dem Zweck, der Gewalt vorzubeugen, die unbedingt
zu vermeiden sei. Im Unterschied zu früheren Versäumnissen der
Religionen sollten deren Repräsentanten jetzt auch an der Spitze der
Bewegung stehen und dadurch auch die Glaubwürdigkeit religiöser Aktivitäten
erhöhen. Angesichts des zu erwartenden Drucks der Machthaber des jetzigen
Systems müsse man auch den Mut zu Zivilcourage und zum gemeinsamen
Widerstand haben, wurde abschließend betont.