
An die ORF-Redaktion
‚Zeit im Bild’ u. Oe 1
Auch Im ORF haben die „Islamkenner-Journalisten“
die Kussszene bei der offiziellen Ernennung Ahmadinedschads zum Präsidenten der
Islamischen Republik Iran im Einklang mit ihren ‚professionellen’ Kollegen in
der BRD als Missachtung des zum 2. Mal gewählten und eben eingeführten A.
gedeutet, wie überhaupt die ‚Berichterstattung’ des ORF über die jüngsten
Ereignisse im Iran mehr als gehässige Manipulation denn als Information (ohne
jegliche Ausgewogenheit) bezeichnet werden muss. Man könnte den Eindruck
gewinnen, dass die betreffenden Journalisten wie weiland unter Bismarck aus
einem ‚Reptilienfond’ gespeist werden. Fragt sich aus welchem oder vielleicht
erscheint der gebückte Gang einfach vorteilhafter als der aufrechte?
Um auch den hiesigen ‚Iran-Profis’ etwas auf
die Sprünge zu helfen, sei ihnen der nachstehende Kommentar aus der BRD zur
gefälligen Kenntnisnahme übermittelt.
Mit freundlichen Grüßen
Ibikuz-Team.
Eine Kussverweigerung, eine verwehrte Gratulation und Reissäcke in China
Wenn die
Hofberichterstattung der Westlichen Welt versucht über die Kultur des Islam zu
berichten, sind zuweilen humoristische Verdeutlichungen ihrer Inkompetenz kaum
zu vermeiden.
Gestern wurde
der Präsident der Islamischen Republik Iran Hadsch Dr. Ahmadinedschad für seine
zweite Amtsperiode vom religiösen Oberhaupt Imam Chamene´i in einer feierlichen
Zeremonie berufen. Dabei kam es zu einer im
Fernsehen zu beobachtenden Szene, die jedes
muslimische Vorschulkind zu deuten wüsste, aber so manchen Journalisten der
westlichen Hofberichterstattung offenbar überforderte.
Eines der
Flagschiffe des deutschen Propagandaarms westlicher Hegemonialträume namens "Der
Spiegel" titelte: "Chamenei verweigert Ahmadinedschad Handkuss".
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,640151,00.html
Aber es war
nicht jener Spiegel westlicher Inkompetenz allein, der darüber "berichtete".
Auch die Süddeutsche und alle Blätter der Springer-Presse berichteten von jenem
angeblich verwehrten Handkuss, allen voran die Bild-Zeitung ("Ahmadinedschad
darf nicht die Hand küssen"). Die Gelegenheit zum genüsslichen Mitlesen wollen
wir Muslimen nicht vorenthalten, und daher hier eine Passage aus dem Spiegel-Artikel:
[Zitat
Spiegel] "Dieser Kuss ging ins Leere: Irans Präsident Ahmadinedschad hat bei der
Feier zu seiner Wiederwahl vergeblich versucht, die Hand des geistlichen
Oberhaupts Chamenei zu küssen. Während der Zeremonie wich der Ajatollah
plötzlich zurück - und bot ihm die Schulter ... Die Bilder erinnern an
Slapstick-Comedy: Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad beugt sich vor und
versucht, dem geistlichen Führer Ajatollah Ali Chamenei die Hand zu küssen - und
zielt ins Leere. Unbeholfen rettete sich der viel kleinere Staatschef an die
Schulter Chameneis, wo jener einen Kuss schließlich lächelnd gewähren lässt. Was
wie eine Panne im Protokoll aussieht, ist mehr als nur eine kleine
Unbeholfenheit. In Iran gilt der Handkuss als eine der höchsten Bekundungen von
Respekt. Vor vier Jahren hatte Ahmadinedschad Chamenei nach seinem Wahlsieg die
linke Hand geküsst, das Foto wurde auf den Titelseiten mehrerer Zeitungen
gedruckt. In diesem Jahr wurde dem Staatschef diese Ehre nun verwehrt - warum,
ist allerdings unklar." [Zitat Ende]
Die anderen
Blätter schreiben das Gleiche, nur im Sprachgebrauch der eigenen Leserschaft
angepasst. Die Bildzeitung verzichtet auf so intellektuelle Begriffe wie "Unbeholfenheit",
da das ihre Leserschaft sonst überfordern würde.
Die Zeitung
"Die Presse" in Österreich hat allerdings eine besonders sensationelle Erklärung
für das Ereignis parat: "Nachdem Ahmadinejad seine Urkunde von Khamenei
überreicht bekommen hatte, machte er rasch einen Anlauf, die Schulter des
religiösen Führers zu küssen, dem gab Khamenei nur zögerlich nach. Es sah so aus,
als wäre es Ahmadinejad mit seiner schnellen Bewegung zum Schulterkuss vor allem
darum gegangen, einen Handkuss zu vermeiden, der ihn als den klar
Untergeordneten dargestellt hätte."
Einmal mehr
beweisen jene Schreiberlinge, dass sie wirklich überhaupt keine Ahnung vom
Islam, von Muslimen und von der Kultur in den muslimischen Ländern (auch unter
Christen vor Ort)
haben. Und gleichzeitig beweisen sie, dass sie noch nie das bekannteste Foto von
Imam Chamene´i mit Hizbullah-Generalsekretär Allama Sayyid Nasrullah gesehen
haben. Und es ist wirklich erstaunlich, dass die Leserschaft in Deutschland und
Österreich von solch einer Journalistenschar so "idiotisch" (anders kann man das
wirklich nicht mehr nennen) "informiert" werden kann und darf, denn niemand ist
verpflichtet diesen Unsinn zu lesen.
Also der Reihe
nach: Vor vier Jahren, bei der Amtseinführung durch Imam Chamene´i wollte Hadsch
Dr. Ahmadinedschad die Hand von Imam Chamene´i küssen. Imam Chamene´i gewährte
ihm den Kuss, da er noch ein junger und erstmaliger Präsident war, der sich noch
bewähren musste. Tatsächlich ist der Handkuss im Islam eine besondere Form der
Ehrenbekundung gegenüber einer besonders zu ehrenden Person.
Zum Vergleich:
Als vor mehreren Jahren bei der Palästina-Konferenz in Teheran Imam Chamene´i
seine Rede gehalten hatte, standen die Zuhörer auf - allen voran Allama Sayyid
Nasrullah - stellten sich in einer Reihe auf, um nach und nach dem Redner zu
seiner exzellenten Rede zu gratulieren. Im Gegensatz zu dem vor ihm stehenden
Gratulanten, küsste Allama Nasrullah die Hand Imam Chamene´is. Später von
Reportern auf jene Geste angesprochen, warum er das getan hätte, antwortete er,
dass er nur für jenen Kuss aus dem Libanon gekommen sei! Das war wirklich eine
hohe Form der Ehrenbekundung. Einige Jahre später, als Sayyid Nasrullah wieder
mit Imam Chamene´i zusammentraf, wollte dieser ihm
wieder die Hand küssen, aber Imam Chamene´i zog seine Hand zurück bzw. beiseite,
so Sayyid Nasrullah nur noch mit Mühe und Einsatz seiner Hand den Oberarm Imam
Chamene´is küssen konnte. Jene Szene wurde von einem Fotografen festgehalten und
gilt als das mit Abstand berühmteste Foto Allama Sayyid Nasrullahs, das jedes
Kleinkind im Libanon kennt. Für deutsche Leser, die das Bild noch nicht kennen,
siehe z.B.:
http://www.eslam.de/begriffe/n/nasrullah.htm (ganz unten)
Die Erklärung
der Szene ist wie folgt. Allama Sayyid Nasrullah wollte wiederum Imam Chamene´i
seinen besonderen Ehrenbeweis liefern, aber die "Gegenehrung" des Imams besteht
darin, dass er den Handkuss nicht zulässt und somit den Handkusswilligen auf die
gleiche Stufe stellt, wie sich selbst. Junge Muslime, die den älteren Vater oder
Onkel die Hand zur Ehrung küssen wollen, kennen die Szene schon sehr früh, wenn
ihnen z.B. der Vater oder Onkel ab einem bestimmten Alter und Reifegrad den
Handkuss "verwehrt" und sie damit aufwertet. Jene "Verwehrung" ist also keine
Zurückweisung, sondern eine besondere Auszeichnung! Ahmadinedschad hat wiederum
versucht die Hand seines Imams zu küssen, aber der hat ihn angesichts seiner
großen Leistungen nunmehr vor allen Leuten ebenfalls ehren wollen und hat daher
den Handkuss nicht zugelassen. Ahmadinedschad wiederum wollte es sich nicht
nehmen lassen, die Ehrung doch auszuführen und küsste ihn daher auf die Schulter.
Die Szene hat jeder Muslim, jede Muslima, jedes Kind von Eltern von Muslimen,
jeder Neffe und jede Nichte von Muslimen verstanden, nur die Journalisten der
deutschen Hofberichterstattung nicht. Denn die sind offenbar "Islamexperten",
wenn sie ein Mal in ihrem Leben einen Döner gegessen haben und "Iranexperten",
wenn sie ein Mal in ihrem Leben einen Muslim beleidigt haben. Die Qualitäts- und
Qualifikationsanforderungen an Islam- und Iranexperten im deutschen Journalismus
sind niedriger als die Anforderungen bei jedem anderen Beruf der Bundesrepublik.
So ganz
nebenbei gab es aber auch noch eine andere sehr "bedeutsame" Nachricht:
Bundeskanzlerin Merkel will Hadsch Dr. Ahmadinedschad zu seiner Amtseinführung
nicht gratulieren. Als Bundesbürger sind wir sehr dankbar für jene Geste, denn
eine Gratulation durch eine Person, die offenbar ihr gesamtes Amtsleben lang
gegen die Islamische Republik Iran gewettert hat, und bei Treffen mit
Amtskollegen zuweilen kein andere Thema zu kennen scheint, wäre ohnehin
Heuchelei und das ist im Islam schlimmer als Feindschaft. Zudem dürfte es den
Bürger in der Islamischen Republik Iran wenig erfreuen, wenn die mit Abstand
engste Verbündete Israels irgendwem im Iran gratuliert und es würde den
Gratulierten diskreditieren. Es entspricht der heutigen außenpolitischen Linie
Deutschlands, dass sie sich von der "Internationalen Staatengemeinschaft"
verabschiedet, denn fast alle Staaten der Welt gratulieren dem
iranischen Präsidenten, darunter auch viele
Europäer und EU-Mitglieder! Und im Augenblick hat es Deutschland eben nicht
verdient, dazu zu gehören.
Nicht zuletzt
könnte man die Frage aufwerfen, welchen Bedeutungsrang eine Nichtgratulation der
Bundeskanzlerin im Iran angesichts von in China umkippenden Reissäcken haben
kann. Da wir aber nicht wissen, ob und wie viele Reissäcke in China umkippen,
überlassen wir die Antwort jenen Journalisten, die noch nicht einmal die
Bedeutung der Kussriten im Islam kennen. Wie sollten diese
jemals mehr über den Islam verstehen als ein Reissack?
Es grüßt
herzlich
Ihr Muslim-Markt-Team