Ankaras Richter im Dienst der Kemalisten

Das jüngste Urteil des türkischen Obersten Gerichts, das die vom Parlament mit grosser Mehrheit beschlossene Aufhebung des Kopftuchverbots an den Universitäten des Landes für verfassungswidrig erklärt, ist nicht nur ein Schlag gegen die islamisch-konservative Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) von Ministerpräsident Erdogan. Der Entscheid wirft auch Fragen auf, die weit über die Debatte um das Kopftuch hinausgehen und an den Grundfesten der von Atatürk 1923 proklamierten Republik rütteln. Er wird nämlich als Indiz dafür gewertet, dass das Verfassungsgericht dem Antrag des Generalstaatsanwalts zustimmen wird, die Regierungspartei aufzulösen und 71 Führungsmitglieder, unter ihnen Erdogan und Präsident Gül, mit einem fünfjährigen Verbot parteipolitischer Aktivitäten zu belegen. Der Versuch, Studentinnen das Tragen des Kopftuchs zu erlauben, war der Stein des Anstosses, der das Verfahren gegen Erdogans Partei ins Rollen brachte.

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