Der Glaube an das Prophetentum gehört zu den Grundsätzen und damit dem Stamm der Religion [usul-ad-din] und ihre Notwendigkeit im System der Gerechtigkeit Gottes muss von jedem Muslim verstanden und verinnerlicht werden.

Der Glaube an die Offenbarung [Wahy] und an das Prophetentum entspringt einer bestimmten Ansicht über die Welt und den Menschen. Das heißt, es existiert ein Prinzip der allumfassenden Rechtleitung im ganzen Dasein. Dieses Prinzip ist die Voraussetzung für die islamische Weltanschauung der Einheit [Tauhid]. Deshalb setzt das Prinzip des Prophetentums diese Weltanschauung voraus.

Das Prophetentum bildet das unverzichtbare Kettenglied in der Vervollkommnung des Menschen, die er nur durch die Befolgung der Rechtleitung, an die ihn die Gnade Gottes führt, erlangen kann. Ideale Menschen, welche die Offenbarung der Rechtleitung nicht nur überbringen, sondern selbst auch vorleben, sind der sichtbare Beweis für das angestrebte Ziel des Menschen. Ein Prophet ist dadurch die Personifizierung der Offenbarung. Deshalb beinhaltet das Prophetentum auch die rituelle Reinheit [Tahara] der Propheten in allen Lebenslagen und ihre Fehlerlosigkeit. Jeder Atemzug eines Propheten ist letztendlich Offenbarung.

Der Glaube an das Prophetentum beinhaltet auch die Überzeugung, dass jedes Volk der Erde einstmals einen Propheten erhalten hat und die Grundlehre immer dieselbe war, wenn auch mit unterschiedlichen Vollendungsgraden, dem jeweiligen Entwicklungsniveau der Menschheit angepasst. Der erste Prophet war gleichzeitig der erste Mensch: Adam (a.). Die Kaaba verdeutlicht die Verbindung der Propheten zueinander, von Adam über Abraham (a.) bis zu Prophet Muhammad (s.).

Das Prophetentum findet seine eigene Vollendung im Siegel der Propheten Muhammad (s.), und diese Vollendung wird für die Menschheit bis zum Ende aller Zeiten durch die vorbestimmten zwölf Imame aufrechterhalten. Damit führt die Erkenntnis des Prophetentums zur Erkenntnis des al Imamah.

Genaueres zu dem Thema kann in jedem einschlägigen Buch zu diesem Thema nachgelesen werden. Diese Bücher kann man auch in unserer Bibliothek ausborgen oder kaufen, z. B.: A. Tabtabai: Das ABC des Islam.

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Das Prophetentum

Das Prophetentum, arabisch An-Nubuwwah, ist die zweite Glaubensgrundlage des Islam. Es besagt, dass Gott den Menschen auf zwei, sich ergänzende Arten rechtgeleitet hat. So hat Gott dem Menschen auf der einen Seite die Vernunft gegeben, durch die er verschiedene Dinge erkennen kann. Er hat ihm aber auf der anderen Seite Propheten gesandt, die den Menschen in jenen Fragen, die seine Existent betreffen und außerhalb des sinnlich Erfassbaren stehen, rechtleiten. So war bereits der erste Mensch auf Erden, Adam (as.), ein Prophet. Die Reihe der Propheten erstreckt sich dann über Noah (as.), Abraham (as.), Moses (as.) und Jesus (as.) bis hin zum Propheten des Islam, Muhammad (sas.), und findet in ihm seinen Abschluss.

Alle Propheten, vom ersten bis zum letzten, haben den Menschen ein und dieselbe Religion übermittelt,[1] deren Botschaft sich folgendermaßen zusammenfassen lässt:

  1. Es gibt nur einen Gott.
  2. Gott allein soll verehrt werden.
  3. Es gibt eine Auferstehung nach dem Tod bzw. ein Jüngstes Gericht, an dem sich die Menschen für ihre Handlungen verantworten müssen.

Es wurde also vom Anbeginn der Entsendung der Propheten bis zu dessen Abschluss nur eine Religion offenbart,[2] die sich aufgrund der örtlichen und zeitlichen Bedingungen oft verschiedenartig und manchmal auch mit unterschiedlichen Bestimmungen darbot und durch den Propheten Muhammad (sas.) ihren Abschluss sowie ihre Vervollkommnung gefunden hat.

Dabei wird zwischen den Propheten kein Unterschied gemacht.[3] Alle sind von Gott gesandt und rechtgeleitet. Ein Unterschied besteht aber in ihrem Auftrag bzw. in ihrer Gesandtschaft. So hat es Propheten gegeben, die eine eigenständige Schari’ah[4] offenbart haben und es hat Propheten gegeben, die die Schari’ah eines anderen Propheten verbreitet und gepredigt haben. Jene Propheten, die mit einer eigenen Gesandtschaft beauftragt waren, sind Noah (as.), Ibrahim (as.), Moses (as.), Jesus (as.) und Muhammad (sas.).

Da die Rechtleitung der Menschen die Hauptaufgabe der Propheten ist, müssen sie auch die notwendigen Voraussetzungen dafür mit sich bringen. Eine der Voraussetzungen ist, dass sie fehlerlos (ma’sum) sind. Das bedeutet, dass sie weder wissentlich noch unwissentlich etwas begehen, was mit den göttlichen Geboten nicht in Einklang steht bzw. Sünde ist. Eine weitere Eigenschaft der Propheten ist, dass sie göttliche Offenbarung empfangen. Dabei sind sie auch gleichzeitig die ersten, die sich an die von ihnen offenbarten Gebote halten. Somit sind all ihre Handlungen von Gott rechtgeleitet und entsprechen den göttlichen Geboten. Die Propheten sind den Menschen also in ihren Handlungen bzw. in ihrem Verhalten ein absolutes Vorbild.[5]

Im Laufe der Geschichte wurden unzählige Propheten gesandt. Dabei war es meist so, dass auf der einen Seite die gesellschaftlichen Strukturen noch nicht voll ausgereift waren und auf der anderen Seite auch die Möglichkeiten zur Bewahrung der göttlichen Offenbarung nicht gegeben waren. So war es meist auch der Fall, dass die göttliche Botschaft nach einem gewissen Zeitraum verloren ging oder verfälscht wurde.

Zur Zeit des heiligen Propheten Muhammad (sas.) waren aber sowohl die gesellschaftlichen Bedingen zur Vervollkommnung der Religion als auch die Möglichkeiten zur Bewahrung der göttlichen Botschaft gegeben. Somit war auch die Möglichkeit zum Abschluss des Prophetentums gegeben.[6]

Aus diesem Grund ist auch die göttliche Offenbarung, die auf den heiligen Propheten Muhammad (sas.) gesandt wurde, d.h. der heilige Koran, bis in die heutige Zeit unverfälscht erhalten geblieben.

Da die Botschaft des Propheten Muhammad (sas.) für immer Gültigkeit hat, und deshalb auch nicht mehr erneuert oder berichtigt werden muss, ist es notwendig, dass es Nachfolger gibt, die für die Bewahrung seiner Botschaft, sowie deren Lehre den Menschen gegenüber verantwortlich sind. (Siehe Al-Imamah)



[1] Surah Al-Baqarah (2), Vers 136; Surah Al-u Imran (3), Vers 84; Surah Asch-Schura (42), Vers 13.

[2] Surah Al-u Imran (3), Vers 19.

[3] Surah Al-Baqarah (2), Vers 136 und 285; Surah Al-u Imran (3), Vers 84.

[4] Die Schari’ah ist die Gesamtheit der Bestimmungen, Vorschriften und Gebote einer Religion.

[5] Surah Al-Ahzab (33), Vers 21; Surah Al-Mumtahinah (60), Vers 4 und 6.

[6] Surah Al-Ma’idah (5), Vers 3.